Arbeits- und Vertragsrecht

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Das französische Arbeitsgesetz, der Code du Travail, bietet eine gute Übersicht über die gesetzlichen Regelungen und ist online zu finden unter www.legifrance.gouv.fr.

Arbeitsvertrag in Frankreich:

In Frankreich wird, wie in Deutschland, zwischen einem unbefristeten Arbeitsvertrag, dem CDD (Contrat à durée déterminée), und einem befristeten Arbeitsvertrag, dem CDI (Contrat à durée indéterminée), unterschieden.
In der Regel gilt der Arbeitsvertrag in Frankreich jedoch als unbefristet.
Ein Vertrag von beschränkter Dauer darf nur geschlossen werden wenn eine präzise und zeitlich begrenzte Aufgabe auszuführen ist und zwar einzig und allein innerhalb der im Gesetz angegebenen Fälle. Hinzu kommt, dass ohne Rücksicht auf seinen Gegenstand ein solcher Vertrag unter keinen Umständen dazu dienen soll eine alltägliche und permanente Stelle des Unternehmens langfristig zu besetzen.

! HINWEIS: Zum Schutz beider Parteien des Arbeitsverhältnisses ist es empfohlen, den Vertrag schriftlich zu vereinbaren. Ein vollständiger Arbeitsvertrag sollte im Allgemeinen folgende Punkte beinhalten:

  • Name + Anschrift der Vertragspartner,
  • Art der Tätigkeit,
  • Vertragslaufzeit,
  • Dauer der Probezeit,
  • Angabe des anwendbaren Tarifvertrages,
  • Arbeitszeit und Stellenbeschreibung,
  • Bezüge und Zulagen,
  • Jahresurlaub und Termine,
  • Kündigungsfristen und
  • sonstige Sondervereinbarungen

Arbeitszeiten und Urlaubstage in Frankreich

Die gesetzliche Wochenarbeitszeit in Frankreich beträgt 35 Stunden. Bei Überstunden kann man eine Zulage oder einen Freizeitausgleich verlangen. 30 Arbeitstage (5 Wochen) bezahlten Urlaub und 11 gesetzliche Feiertage stehen jedem Beschäftigten gesetzlich zu. Des Weiteren kann man zusätzlichen Urlaub aus familiären Gründen oder für die Weiterbildung nehmen.

Krankengeld und Arbeitslosengeld in Frankreich

Krankengeld erhält der Arbeitnehmer im Falle von Krankheit, wenn diese weniger als 6 Monate dauert und eine Betriebszugehörigkeit von mindesten 6 Monate besteht. Im Falle von Krankheit, die länger als 6 Monate dauert, muss eine Immatrikulation bei der Sozialversicherung von mindestens einem Jahr vorliegen.

Falls das Arbeitsverhältnis beendet wurde, ist der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, dem Arbeitnehmer die folgenden Dokumente zu übermitteln:

  • Arbeitsbescheinigung, die Dauer und Art der ausgeübten Tätigkeit beschreibt
  • Quittung über die Endabrechnung
  • Bescheinigung für die Arbeitslosenversicherung, die Pôle Emploi, um staatliche Leistungen im Falle von Arbeitslosigkeit zu erhalten.

! HINWEIS: Arbeitslosengeld bekommt der Arbeitnehmer, wenn er mindestens 122 Tage Beiträge gezahlt hat oder 610 Arbeitsstunden nachweisen kann.

Kündigung des Arbeitsvertrags

Die Kündigungsfrist einer Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt gesetzlich einen Monat nach 6 Monaten Arbeitsverhältnis; zwei Monate nach 2 Jahren Arbeitsverhältnis. Die für den Arbeitnehmer abweichenden Maßnahmen der Tarifverträge sind verbindlich.


Hinsichtlich der Kündigung von französischen Arbeitnehmern bestehen Besonderheiten, die stellenweise in erheblichem Maße vom deutschen Recht abweichen. Bei dem Kündigungsverfahren muss u.a. beachtet werden, dass vor dem Ausspruch der Kündigung ein Vorgespräch stattfinden muss, in welchem der Arbeitgeber den Arbeitnehmer über die Absicht zur Kündigung unterrichten muss. Erst nach dem Ablauf einer gesetzlichen Frist nach diesem Vorgespräch kann dem Arbeitnehmer unter Beachtung von Formvorschriften gekündigt werden.

Gründe für Kündigungen:

  • Aus wirtschaftlichen Gründen: Eine Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen ist nur möglich, wenn dem Angestellten keine andere Beschäftigungsmöglichkeit vom Arbeitgeber angeboten werden kann. Bei der Kündigung von älteren Arbeitnehmern muss der Arbeitgeber oftmals eine spezielle Abgabe zahlen, wobei von dieser Pflicht Ausnahmen bestehen.
  • Aus personenbezogenen Gründen: Die personenbedingte Kündigung findet in der Regel aufgrund disziplinarischer oder professioneller Fehler statt, die allerdings auch eine bestimmte Schwelle erreichen müssen, um von Relevanz zu sein.
  • Abschluss eines Aufhebungsvertrages: Diese Form der Beendigung des Arbeitsverhältnisses darf von keinem der Vertragsparteien einseitig auferlegt werden. Auch hier müssen gewisse Schritte ordnungsgemäß durchgeführt werden. Es muss ebenfalls mindestens ein Gespräch stattfinden, in welchem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Aufhebung des Arbeitsverhältnisses und die dabei geltenden Bedingungen einigen.

Sozialversicherung

Die Staaten der EU haben in Bezug auf die soziale Sicherheit bestimmte Regelungen festgesetzt. Diese decken die Leistungen der Kranken-, Unfall-, Renten-, Arbeitslosenversicherung sowie sonstige Leistungen ab. Auf den Seiten der Europäischen Kommission finden Sie diesbezüglich weitere Informationen unter:

Um sich im Ausland medizinisch versorgen zu lassen, ist für gesetzlich Versicherte die europäische Krankenversicherungskarte erforderlich, welche neben den EU –Ländern auch in Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz gültig ist. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse und schließen Sie bei Bedarf eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung ab.

Das Beschäftigungs- oder Tätigkeitslandprinzip besagt, dass man in dem Land sozialversichert ist und somit dem nationalen Sozialversicherungssystem und dessen Rechtsvorschriften unterliegt, in dem man seine Beschäftigung ausübt. Je nach Beruf sind auch Ausnahmegenehmigungen möglich.

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